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Zum ersten Mal hatte ich mit der Reise nach Jerusalem ein Reisetagebuch erstellt, denn ich ahnte schon vor Reiseantritt, dass es wichtig für mich sein würde die Erlebnisse dieser Tour zu dokumentieren und weil ich nach der Tour das Gefühl hatte mit ein paar Reiseanekdoten und meinen gesammelten Fotos nur unzureichend und oberflächlich beschreiben zu können, was mir dieses Abenteuer bedeutete und inwiefern es mich verändert hatte, begann ich etwa ein halbes Jahr nach unserer Rückkehr im Frühjahr 2005 damit mein Tagebuch aufzuarbeiten und die darin beschriebenen Erlebnisse zu reflektieren. Zu Weihnachten 2005 konnte ich mit dem Teilabschnitt Oranienburg-Istanbul meiner Familie ein erstes Zwischenergebnis präsentieren. Vor allem meine Oma ermutigte mich daraufhin die Geschichte zu beenden, doch ich sollte mich beeilen, weil sie nicht mehr sehr viel Zeit hätte. Dennoch musste sie sich noch bis zum Frühjahr 2006 gedulden, bis ich ihr ein erstes vollständiges Rohmanuskript überreichen konnte.
Dabei war rückblickend betrachtet die Arbeit an dem Buch sogar schwieriger als die eigentliche Reise, denn anders als bei der Reise hatte ich während der Arbeit an dem Buch nur intime Erfolgerlebnisse. Ich stand unter zeitlichem Druck besonders in Hinblick auf die Uni und auch meine Umwelt hatte wenig Verständnis für meine Ambitionen. Die Kommentare gingen fast immer in die Richtung: „Wow, Du schreibst ein Buch? Hast Du denn schon einen Verlag?“ Als unbekannter Autor hatte ich mir vor Beendigung des Manuskriptes noch nicht einmal die Mühe gemacht mich bei Verlagen vorzustellen. So musste ich die Fragen stets verneinen und das mitleidige Schweigen, das mir daraufhin immer wieder begegnete, war nicht ermutigend. „Du Träumer, jetzt gehst Du aber zu weit!“ lass ich regelmäßig aus den Augen meiner Gesprächspartner, die dies freilich nie so ausgesprochen hatten. So zog ich mich in meiner Arbeit zurück, bis ich endlich voller Spannung meine Arbeit präsentieren konnte.
Bevor ich mir zutraute, Verlage anzuschreiben, verlangten die teilweise sehr sensiblen Reisehintergründe sowie die zwischenmenschlichen Erlebnisse, die oft ebenfalls sehr sensibel gewesen sind, nach harter Kritik. Mit der Hilfe meiner ersten Leser konnte ich deren Hinweise und Berichtigungen bis zum Sommer 2006 in das Manuskript einarbeiten. Denjenigen, die sich damals als erstes auf mein Manuskript einließen und die mich danach ehrlich und konstruktiv kritisierten, bin ich ganz besonders dankbar, zumal niemand wissen konnte, ob man sich durch die Seiten quälen müsse. Meine Oma gehörte zu den ersten Lesern und ich war glücklich, weil wir uns durch das Buch ganz besonders nahe gekommen sind.
Im Sommer 2006 konnte ich also endlich mein Manuskript an vielversprechende Verlage senden, was wiederum einen finanziellen Kraftakt bedeutete. Überraschend schnell meldete sich schon nach kurzer Zeit ein namenhafter Verlag bei mir. Allerdings begann just zu diesem Zeitpunkt der Libanonkrieg, woraufhin der Verlag sich wieder zurückzog (ohne, dass er es damit begründete). Die Atmosphäre war zu der Zeit jedenfalls wenig freundlich gegenüber Israel und die vielgeführten Diskussionen zur Rolle von Israel in dem Krieg waren oft erschreckend undifferenziert, wurden jedoch sehr leidenschaftlich geführt und waren voll von gefährlichem Halbwissen. Folgend regnete es nur noch Absagen.
Ich glaubte kaum noch an einer Veröffentlichung, bis ich im Herbst durch meine ehemaligen Reisekompagnons, die inzwischen eine zweite gemeinsame Tour durch Afrika unternommen hatten, auf den Manuela-Kinzel-Verlag stieß. Über deren Reiseberichte wurde ich nämlich auf einen bekannten Radler aufmerksam, der bei genau diesem Verlag sein Buch veröffentlicht hatte. Ich entschied mich noch einen letzten Versuch zu starten. Der kleine Manuela-Kinzel-Verlag meldete sich daraufhin bei mir und zwang mich zu einer Gewissensentscheidung. Weil die Verleger das Verkaufsrisiko nicht allein tragen konnten, sollte ich mich verpflichten 100 Exemplare der Startauflage auf eigenes Risiko zu verkaufen. Es war offensichtlich meine letzte Chance das Buch zu veröffentlichen jedoch war ich finanziell erschöpft, weil die Arbeit an dem Buch, meine Reisen und die Arbeit an meinem Studium meine Kapazitäten vollends beanspruchten. Wiederum half mir meine Oma, diesmal mit einem Kredit. So konnte ich den Vertrag unterzeichnen und mein Buch wurde nach einem weiteren halben Jahr Lektorarbeit im September 2007 veröffentlicht. Ein unvergesslicher Moment wird mir bleiben, wie meine Oma, die in diesem halben Jahr sehr abgebaut hatte, mit letzter Kraft unser Buch in ihren Händen hielt. Meine erste Buchlesung, die etwa einen Monat später stattfand, konnte sie leider nicht mehr miterleben. Weil sie mir während der ganzen Zeit des Schreibens so sehr den Rücken gestärkt hatte und weil sie zuletzt sogar die Veröffentlichung ermöglicht hatte, gilt ihr mein allergrößter Dank. Ich werde Dir das nie vergessen!
Übrigens konnte ich schon nach der ersten Lesung 30 Exemplare des Buches verkaufen und nach wenigen Wochen konnte ich meinen Verlag bitten, mir einen weitern Büchervorrat zu schicken. Gleichwohl ist das Buch noch immer ein Geheimtipp und lebt vor allem von Mundpropaganda. Dies ist nicht ungewöhnlich, denn Bücher, vor allem die der kleinen Verlage, brauchen eben etwas länge als andere Medien, um ihren Markt zu durchdringen. Es bleibt abzuwarten, ob das Buch noch einem breiteren Publikum bekannt wird. Das wäre natürlich in meinem Sinne ;-)
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